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Übersetzungspreise richtig lesen (Seite/Zeichen)
Der Übersetzungspreis wirkt auf den ersten Blick wie eine einfache Zahl; hinter zwei Angeboten stehen jedoch meist unterschiedliche Berechnungsmethoden. Ob zwei Preise für dasselbe Dokument vergleichbar sind, hängt zunächst davon ab, ob man versteht, nach welcher Einheit gerechnet wurde. Dieser Leitfaden erklärt, wie Übersetzungsangebote aufgebaut sind und worauf Sie beim Lesen eines Angebots achten sollten. Konkrete Zahlen finden Sie auf der Seite Preise; hier liegt der Fokus auf der Methode selbst.
6 Min. Lesezeit Aktualisiert: 13.08.2026
Mehrere Variablen bestimmen die Preisbildung: die Zähleinheit, ob der Ausgangs- oder der Zieltext zugrunde gelegt wird, das Sprachpaar, die fachliche Dichte des Dokuments und die Lieferzeit. Ein Vergleich, der ohne Kenntnis dieser Faktoren angestellt wird, ist meist irreführend. Ziel ist nicht, das „billigste“ Angebot zu finden, sondern bei gleichem Leistungsumfang das richtigste auswählen zu können.
Der Weg zum Verständnis eines Übersetzungsangebots führt darüber, zunächst zu sehen, wie es aufgebaut ist. Zwei unterschiedliche Preise für dasselbe Dokument sind meist das Ergebnis zweier unterschiedlicher Berechnungslogiken; der eine kann nach Zeichen, der andere nach Seiten berechnet sein. Deshalb ist es irreführend, einen Preis nur als Zahl zu lesen. Der richtige Ansatz besteht darin, die Einheit, die Zählgrundlage und den Leistungsumfang hinter dem Angebot zu erkennen und anschließend zwei Angebote auf derselben Grundlage zu vergleichen.
Seite, Zeichen oder Wort?
Der Übersetzungsumfang lässt sich in verschiedenen Einheiten messen, und jede Einheit hat ihre eigene Logik. Bei zeichenbasierter Berechnung wird die Zeichenzahl des Textes gezählt, bei wortbasierter Berechnung die Wortzahl; bei seitenbasierter Berechnung wird eine „Seite“ als eine bestimmte Menge an Zeichen oder Wörtern definiert. Die folgende Tabelle fasst die gängigen Einheiten und die Punkte zusammen, auf die zu achten ist.
| Einheit | Wie gemessen wird | Worauf zu achten ist |
|---|---|---|
| Zeichen (mit/ohne Leerzeichen) | Zeichenzahl im Text | Es muss angegeben werden, ob Leerzeichen enthalten sind |
| Wort | Wortzahl im Text | Die Wortlänge unterscheidet sich zwischen den Sprachen |
| Seite | Bestimmte Menge an Zeichen/Wörtern | Die Definition der Seite muss festgelegt werden |
| Pro Dokument (Pauschale) | Ein Festpreis für ein Standarddokument | Der Leistungsumfang muss klar festgehalten werden |
Der häufigste Irrtum an dieser Stelle ist die Annahme, das Wort „Seite“ bedeute für alle dasselbe. Wie viel Text auf einer physischen Seite steht, hängt von der Schriftgröße, den Rändern und den Tabellen ab; bei einem seitenbasierten Angebot muss deshalb unbedingt gefragt werden, wie die „Seite“ definiert ist.
Wird der Ausgangs- oder der Zieltext gezählt?
Bei einer Übersetzung unterscheidet sich die Länge des Ausgangstextes in der Regel von der des Zieltextes, denn Sprachen drücken dieselbe Information mit einer unterschiedlichen Anzahl von Wörtern aus. Wird der Preis nach dem Ausgangstext berechnet, steht der Betrag vor Beginn der Arbeit fest. Wird er nach dem Zieltext berechnet, ergibt sich der genaue Betrag erst nach Abschluss der Übersetzung. Keines von beiden ist für sich genommen „richtig“; entscheidend ist, dass im Angebot ausdrücklich angegeben wird, welches angewendet wird.
Ist die Planbarkeit des Budgets wichtig, bietet die Berechnung nach dem Ausgangstext einen Vorteil, denn Sie kennen den Betrag, bevor die Arbeit beginnt. Bei der Berechnung nach dem Zieltext kann sich der endgültige Betrag danach ändern, wie stark die Zielsprache den Text verlängert. Diesen Unterschied zu kennen, ist die Voraussetzung für einen fairen Vergleich zweier Angebote.
Ein Angebot Schritt für Schritt lesen
- Ermitteln Sie die Zähleinheit. Stellen Sie fest, ob der Preis nach Zeichen, Wörtern, Seiten oder pro Dokument gilt.
- Fragen Sie, ob der Ausgangs- oder der Zieltext gilt. Das zeigt, ob der Betrag vorab oder erst nachträglich feststeht.
- Prüfen Sie den Leistungsumfang. Sind Zweitprüfung, Korrektur und die Zahl der gelieferten Ausfertigungen im Preis enthalten?
- Trennen Sie die Zusatzposten ab. Die Notargebühr unterliegt einer amtlichen Gebührenordnung und ist vom Übersetzungspreis getrennt; auch die Apostille ist ein eigener Posten.
- Verknüpfen Sie die Lieferzeit mit dem Preis. Eine Eillieferung ist in der Regel eine andere Bedingung; klären Sie das von Anfang an.
Warum sind Notar und Apostille eigene Posten?
Die Notargebühr unterliegt einer amtlichen Gebührenordnung und unterscheidet sich nicht zwischen den Notariaten; dieser Betrag ist nicht im Übersetzungspreis des Büros enthalten. Ebenso ist die Apostille ein Posten der zuständigen Behörde. Die Antwort auf die Frage „welches Büro ist günstiger“ ist deshalb allein beim Übersetzungsposten zu suchen. Zu vergleichen sind der Leistungsumfang und das Serviceniveau auf der Übersetzungsseite.
Ist diese Unterscheidung verstanden, versteht man auch, warum ein niedrig wirkendes Angebot niedrig ist: Vielleicht enthält es keine Zweitprüfung, vielleicht liefert es nur eine Ausfertigung, vielleicht rechnet es den Notarposten getrennt ab. Zwei Preise mit unterschiedlichem Leistungsumfang nebeneinanderzustellen, heißt Äpfel mit Birnen zu vergleichen.
Häufige Fehler
- Unterschiedliche Einheiten vergleichen. Einen Seitenpreis unmittelbar mit einem Zeichenpreis zu vergleichen, führt in die Irre.
- Die Notargebühr für den Übersetzungspreis halten. Die beiden Posten sind getrennt und werden von verschiedenen Seiten festgelegt.
- Nicht nach dem Leistungsumfang fragen. Ein niedrig wirkender Preis enthält möglicherweise keine Zweitprüfung oder keine Ausfertigung.
- Die Frist erst nachträglich besprechen. Wird die Eilbedingung nicht von Anfang an genannt, geht die Liefererwartung nicht auf.
Häufig gestellte Fragen
Gibt es einen Nachlass bei sich wiederholenden Texten? Enthält das Dokument einen hohen Anteil an Wiederholungen, kann sich das in der Umfangsberechnung niederschlagen. Das hängt jedoch von der Struktur des Dokuments ab und ist ein Punkt, der von Anfang an besprochen werden sollte.
Warum werden Fachdokumente anders bepreist? Dokumente mit dichter Terminologie, die Recherche und Konsistenz erfordern, verlangen mehr Aufwand. Der Preisunterschied ergibt sich nicht aus der Seitenzahl, sondern aus dieser Aufwandsdichte.
Habe ich einen Vorteil, wenn ich dasselbe Dokument in zwei Sprachen übersetzen lasse? Übersetzungen aus einer gemeinsamen Quelle in zwei Zielsprachen sind getrennte Aufträge; ein Teil der Vorbereitung und der Terminologiearbeit kann jedoch gemeinsam genutzt werden. In solchen Fällen ermöglicht es ein realistischer Plan, die Bedingungen von Anfang an zu besprechen.
Werden zusätzliche Ausfertigungen oder ein erneuter Ausdruck getrennt berechnet? Da Übersetzung und Beglaubigung getrennte Posten sind, können insbesondere zusätzliche Ausfertigungen, die eine notarielle Beglaubigung erfordern, eine eigene Amtshandlung auslösen. Von Anfang an festzulegen, wie viele Ausfertigungen benötigt werden, verhindert einen nachträglich entstehenden Posten.
Der Einfluss von Sprachpaar und fachlicher Dichte
Zwei Dokumente gleicher Länge können unterschiedlich bepreist werden, denn den Preis bestimmt nicht allein der Umfang. Das Sprachpaar ist ein Faktor: Während in verbreiteten Sprachen viele Übersetzer arbeiten, können sich die Bedingungen bei seltener bearbeiteten Sprachen ändern, weil das Angebot begrenzt ist. Der zweite Faktor ist die fachliche Dichte des Dokuments. Ein juristischer oder medizinischer Text mit dichter Terminologie, der Recherche und Konsistenz erfordert, verlangt mehr Aufwand als ein alltäglicher Text mit derselben Wortzahl.
Beim Vergleich zweier Angebote ist deshalb nicht nur auf den Einheitspreis, sondern auch auf die Beschaffenheit der Arbeit zu achten. Ein niedriger Einheitspreis enthält möglicherweise keine Schritte wie Terminologierecherche und Zweitprüfung. Ein echter Vergleich ist nur dann aussagekräftig, wenn er für dasselbe Sprachpaar und denselben Leistungsumfang angestellt wird; unterschiedliche Bedingungen nebeneinanderzustellen, führt zu einem irreführenden Ergebnis.
Checkliste
- Nach welcher Einheit (Zeichen/Wort/Seite/Dokument) wird der Preis berechnet?
- Wird der Ausgangstext oder der Zieltext gezählt?
- Sind Zweitprüfung und Korrektur im Preis enthalten?
- Sind die Posten für Notar und Apostille getrennt ausgewiesen?
- Sind die Lieferzeit und eine mögliche Eilbedingung geklärt?
Wir können den Umfang und den Leistungsumfang Ihres Dokuments ermitteln und Ihnen ein vergleichbares, nach Posten aufgeschlüsseltes Angebot vorlegen. Ihre Datei können Sie über das Angebotsformular senden, die aktuelle Preisstruktur auf der Seite Preise und den Leistungsumfang auf der Seite Übersetzungsleistungen einsehen.
Die Angaben hier sind allgemeiner Natur; vor der Antragstellung sind die aktuellen Anforderungen zu überprüfen. Für die geltenden Anforderungen sehen Sie in die aktuelle Dokumentenliste der Stelle.
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