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Juristische Übersetzung
Die juristische Übersetzung ist keine Übertragung zwischen zwei Sprachen, sondern zwischen zwei Rechtssystemen. Die Entsprechung eines Wortes lässt sich im Wörterbuch finden; für die Rechtseinrichtung, auf die dieses Wort verweist, gibt es im Zielsystem jedoch möglicherweise keine Entsprechung. Daraus entsteht die eigentliche Schwierigkeit der juristischen Übersetzung.
6 Min. Lesezeit Aktualisiert: 09.08.2026
Anders als ein Schreibfehler hat die falsche Übersetzung einer Vertragsklausel unmittelbare Folgen: Der Umfang der Verpflichtung ändert sich, das zuständige Gericht verschiebt sich, die Haftungsgrenze weitet sich aus. Deshalb wird bei juristischen Texten erwartet, dass die Übersetzungsentscheidungen begründbar sind.
Warum ist der Systemunterschied ein Übersetzungsproblem?
Türkiye hat ein der kontinentaleuropäischen Rechtstradition verbundenes, auf Kodifikation beruhendes System. England und die Vereinigten Staaten von Amerika stammen dagegen aus einer auf Richterrecht beruhenden Tradition. In diesen beiden Welten tragen Einrichtungen mit derselben Funktion unterschiedliche Namen, während Einrichtungen mit demselben Namen unterschiedliche Funktionen haben.
Der Übersetzer wählt hier einen von drei Wegen: den Namen der nächstliegenden Einrichtung im Zielsystem zu verwenden, den Begriff unverändert zu belassen und in Klammern zu erläutern oder eine beschreibende Entsprechung zu bilden. Die richtige Wahl hängt vom Zweck des Textes ab. Bei einem Dokument, das bei Gericht vorgelegt wird, steht die Transparenz im Vordergrund, bei einem Text für eine Geschäftsverhandlung die Verständlichkeit.
| Textart | Vorrangige Erwartung | Typischer Beglaubigungsbedarf |
|---|---|---|
| Vertrag und Zusatzprotokolle | Einheitlichkeit der Begriffe, Erhalt der Klauselnummerierung | Bei Verwendung zwischen den Parteien in der Regel nicht |
| Klageschrift und Anlagen | Absolute Treue zum Ausgangstext | Beglaubigte Übersetzung, meist mit notarieller Beglaubigung |
| Gerichtsentscheidung | Wörtliche Wiedergabe des Urteilstenors | Beglaubigte Übersetzung mit notarieller Beglaubigung, im Ausland Apostille |
| Vollmacht | Keine Einengung des Umfangs der Befugnis | Notarielle Beglaubigung |
| Gesellschaftssatzung | Richtigkeit der Organbezeichnungen und der Anteilsstruktur | Je nach Stelle unterschiedlich |
| Rechtsgutachten | Erhalt der Argumentationsstruktur | In der Regel nicht |
Wer nutzt juristische Übersetzungen?
Die erste Gruppe sind die Anwaltskanzleien. In Akten mit Auslandsbezug wirkt sich die Übersetzung von Beweismitteln, Schriftverkehr und von der Gegenseite vorgelegten Unterlagen unmittelbar auf die Prozessstrategie aus. Die zweite Gruppe sind die Rechts- und Einkaufsabteilungen von Unternehmen, die internationale Verträge schließen; hier ist die Übersetzung Teil der Verhandlung.
Die dritte Gruppe sind Privatpersonen: im Ausland eingeleitete Scheidungsverfahren, Erbschaftsangelegenheiten sowie Anträge auf Anerkennung und Vollstreckbarerklärung erfordern juristische Übersetzungen. Die vierte Gruppe sind Schieds- und Mediationsverfahren; in diesen Verfahren ist der Aktenumfang groß und der Zeitplan eng.
Arbeitsweise
- Terminologieliste. Vor Beginn der Arbeit werden die aktenspezifischen Begriffe zusammengestellt und mit dem Mandanten oder dem Anwalt abgestimmt. Ein Begriff, der später geändert wird, bedeutet eine rückwirkende Korrektur in der gesamten Akte.
- Referenztexte. Bereits übersetzte Verträge und der Schriftverkehr zwischen den Parteien werden gesichtet; Kontinuität ist die Hälfte der Qualität.
- Übersetzung. Klauselnummern, Querverweise und der Definitionsteil werden in der Struktur des Ausgangstextes exakt beibehalten.
- Juristisch ausgerichtete Kontrolle. Die zweite Lesung richtet sich nicht auf die Sprache, sondern auf den Inhalt: Richtung der Verpflichtung, Fristen, Zuständigkeit und Bedingungssätze werden einzeln überprüft.
- Lieferung und Dokumentation. Die Begriffsentscheidungen werden festgehalten; die Einheitlichkeit in den weiteren Teilen derselben Akte wird aus dieser Dokumentation sichergestellt.
Wie wird die Vertraulichkeit gewahrt?
Juristische Texte enthalten häufig noch nicht öffentliche Informationen: verhandelte Preise, die Prozessstrategie, personenbezogene Daten. Deshalb ist die Vertraulichkeit bei der juristischen Übersetzung keine Höflichkeit, sondern eine fachliche Voraussetzung der Arbeit. Der in der Praxis erwartete Mindeststandard umfasst eine schriftliche Vertraulichkeitszusage, die Beschränkung des Aktenzugriffs auf die damit betraute Person und eine festgelegte Aufbewahrungsfrist nach Abschluss der Arbeit.
Bei Akten mit personenbezogenen Daten gewinnt zusätzlich die Frage an Bedeutung, wo die Daten verarbeitet werden. Bei Akten, die an ein Netz freiberuflicher Kräfte verteilt werden, kann die Antwort darauf unklar werden; sie muss im Vertrag ausdrücklich geregelt werden.
Die zweite Dimension der Vertraulichkeit betrifft die Zeit nach Abschluss der Arbeit. Wie lange die Akte aufbewahrt wird, auf welchem Medium sie gehalten wird und wie sie vernichtet wird, sollte schriftlich festgehalten sein. Auch die im Übersetzungsspeicher abgelegten Sätze fallen darunter: Ein Speicher, der aus dem Vertragstext eines Kunden besteht, darf nicht für die Arbeit eines anderen Kunden verwendet werden. Wie diese Trennung technisch sichergestellt wird, ist eine konkrete Frage, die dem Dienstleister gestellt werden sollte.
Anerkennung, Vollstreckbarerklärung und Vorgänge im Ausland
Einer der Bereiche, in denen juristische Übersetzungen am häufigsten gebraucht werden, ist die Wirksamkeit ausländischer Gerichtsentscheidungen in Türkiye oder die Verwendung türkischer Gerichtsentscheidungen im Ausland. In diesen Akten genügt die Übersetzung allein nicht; die Entscheidung muss rechtskräftig sein, die erforderlichen Vermerke tragen, und die Beglaubigungskette muss abgeschlossen sein.
Übersetzerisch zeichnen sich diese Akten dadurch aus, dass der Urteilstenor mit absoluter Treue wiedergegeben wird. Während im Begründungsteil der Verlust einer Nuance hinnehmbar sein kann, ist beim Umfang des Tenors nicht die kleinste Abweichung zulässig. Ebenso kritisch ist die wortgetreue Wiedergabe der Namen der Parteien, der Aktenzeichen und der Daten.
Bei solchen Akten ist außerdem das Übersetzungssystem des Ziellandes maßgeblich. Manche Länder akzeptieren nur die Übersetzung eines von ihnen selbst ermächtigten Übersetzers; in diesem Fall besteht die in Türkiye zu erledigende Arbeit nicht in der Übersetzung selbst, sondern im Abschluss der Beglaubigungskette des Dokuments.
Arbeitsdisziplin bei zweisprachigen Texten
Im internationalen Handel werden Verträge häufig zweisprachig errichtet, und beide Fassungen laufen nebeneinander her. In dieser Konstellation ändert sich die Funktion der Übersetzung: Der Text ist keine Kopie mehr, sondern ein für sich bindendes Dokument. Deshalb ist die Übersetzung bei zweisprachigen Verträgen ein Vorgang, den die Anwälte beider Parteien gemeinsam durchsehen.
In diesem Vorgang müssen drei Dinge unbedingt geklärt werden: welche Sprache im Streitfall maßgeblich ist, dass die Begriffe im Definitionsteil in beiden Fassungen denselben Begriffsinhalt bezeichnen und dass die Klauselnummerierung exakt übereinstimmt. Sind diese drei Punkte erfüllt, sind später auftretende Auslegungsunterschiede weitgehend vermieden.
Eine eigene Schwierigkeit ist, dass sich der Text während der laufenden Verhandlung weiter ändert. Bei jedem neuen Entwurf den gesamten Text von vorn zu übersetzen, ist teuer und riskant; die richtige Methode besteht darin, die Unterschiede zwischen den Fassungen zu kennzeichnen und nur die geänderten Klauseln zu bearbeiten. Das senkt die Kosten und verhindert zugleich, dass in früheren Runden abgestimmte Formulierungen unbemerkt verändert werden.
Was bestimmt den Preis?
Bei der juristischen Übersetzung gibt es drei Faktoren, die den Einheitspreis erhöhen: die Dichte der Fachbegriffe, der Umstand, dass die zweite Lesung juristisches Wissen erfordert, und die Vertraulichkeitsanforderungen der Akte. Dem steht ein Faktor gegenüber, der die Kosten senkt: Verträge bestehen zu einem großen Teil aus wiederkehrenden Formulierungen. Bei einem Kunden, mit dem regelmäßig gearbeitet wird, steigt dieser Wiederholungsanteil mit der Zeit, und der Einheitspreis sinkt.
Deshalb ist es für beide Seiten effizienter, mit Anwaltskanzleien in einem Rahmenverhältnis statt in Einzelaufträgen zu arbeiten. Die Preislogik erläutern wir auf unserer Preisseite, die Sprachen, in denen wir arbeiten, auf unserer Sprachenseite.
Häufige Situationen
- Maßgebliche Sprache bei zweisprachigen Verträgen. Steht im Text nicht, welche Sprache maßgeblich ist, werden Übersetzungsunterschiede zum Streitgegenstand. Diese Klausel sollte von Anfang an aufgenommen werden.
- Fehler im Ausgangstext. Der Übersetzer berichtigt einen Widerspruch im Ausgangstext nicht; er vermerkt ihn und überlässt ihn der Person, die zu entscheiden hat.
- Anlagen und Unterschriftsseiten. Wird der Hauptteil des Vertrags übersetzt und die Anlagen vergessen, bleibt die Akte unvollständig; die Anlagen tragen häufig die eigentliche Verpflichtung.
- Aufteilung bei eiligen Akten. Die Aufteilung einer großen Akte auf mehrere Übersetzer verkürzt die Zeit, gefährdet aber die Einheitlichkeit der Begriffe; in diesem Fall ist eine Schlusslesung aus einer Hand zwingend.
Den Umfang Ihrer Akte und Ihre Erwartungen an die Vertraulichkeit können Sie uns über das Angebotsformular mitteilen.
Dieser Inhalt gibt den allgemeinen Rahmen wieder; die Einzelheiten des jeweiligen Vorgangs können abweichen. Für die geltenden Anforderungen sehen Sie in die aktuelle Dokumentenliste der Stelle.
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